2 – Bilder rauchender Schriftsteller

Posted on 10/04/2011

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Ich habe mit dem Rauchen angefangen, weil ich  Bilder von rauchenden Menschen mag.
Ich hatte es nie nötig, mich in einer Gruppe zu beweisen
Ich mag den Gestus.

So.

Oder so.

Den ganzen Teer am Ende auch zu atmen, scheint mir irgendwo zwingend, das teile ich auch mit.
In Unterhaltungen und beim Schreiben ist es ungemein wichtig, dieses Accessoire, mal nur nachdenklich, mal melancholisch zum Mund zu führen, um Seriosität zu generieren.

Mein Schreibtisch sieht so aus, wie der Schreibtisch eines Künstlers nun einmal aussieht:
Kaffeetasse reiht sich an Kaffeetasse, Bücher, Notizen, Zeitschriften bauen eingesackte Türme –
Kann man sich vorstellen, ihn ohne einen 1970 simulierenden Filter zu photografieren?
Durch die wilden Haare ragt eine glühende Papierrolle hervor.

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich ein Mädchen durch die Tür kommen.
Das sieht aus wie der Schreibtisch eines Schriftstellers, sollte sie sagen.
Sie könnte mir dabei durch die Haare fahren, mit der Hand die Schulter entlanggleiten.
Danach könnte sie dort stehen bleiben,
Sie könnte sich irgendwo still hinsetzen,
Sie könnte gehen.

Manchmal denke ich mir in meinem Kopf Geschichten aus.

Manchmal bringe ich ein paar Notizen zu Papier

Ich lese gerne.

Ich könnte den Aschenbecher zu mir heranziehen. Ich könnte geschmeidig eine Zigarette aus der Verpackung gleiten lassen, die angezündete Zigarette mit abgestütztem Ellenbogen leicht in die Luft heben, könnte Rauch speien.
Wenn andere kämen, ein Loch über meinen Kopf zu bohren und es käme Benzin heraus, könnte ich mich mit der Zigarette anzünden.

Kein Aschenbecher steht hier.
Ich habe nichts in der Hand.
Ich habe gesundheitliche Bedenken.

Eigentlich rauche ich nicht.

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